Katharina Gahlert
2018 tender thoughts about rocks
tender thoughts about rocks
in progress

tender thoughts about rocks, 2018

Der Ursprung für diese Arbeit liegt in meiner Beobachtung eines auffälligen Phänomens in der Region Erzgebirge ━ die verbliebenen Spuren eines Jahrhunderte währenden und mittlerweile nahezu stillgelegten Bergbaubetriebes im Erzgebirge. Die noch immer vorhandenen Stollen münden zum Teil in gut sichtbare sogenannte Mundlöcher, die ─ an Straßenrändern oder ganz unscheinbar im Wald ━ wie Mahnmale an das gigantische unterirdische Gänge-Netz erinnern. Gleichzeitig sind es die Narben einer ausgebeuteten und verwundeten Landschaft.

Die Installation “Mimikry” zeigt ein großformatiges Baumwolltuch, welches im Raum als eine Art Vorhang drapiert ist. Dadurch wird der Raum geteilt, während das Objekt selbst in zwei Richtungen wirken kann. Zu einer Seite liegt die Funktion des Textils in der Abgrenzung, Abschreckung und Abschirmung gegen Eindringlinge. Zur anderen Seite bietet der Vorhang schützende Verhüllung. Ein intimer Bereich wird geschaffen, der eine wohlige Illusion von Sicherheit bietet. Der Stoff wurde in einem unkonventionellen Färbeprozess mit einem militärisch anmutenden Flecktarnmuster belegt, welches im Mimikry-Prinzip Tarnung und Abschreckung bewirken soll und gleichzeitig einen Schutz für die dahinterliegende Umgebung bietet. Der Begriff “Mimikry” bezeichnet ein Phänomen in der Evolutionsbiologie und meint ursprünglich die täuschende Ähnlichkeit eines Insekts mit einer anderen Art oder seiner Umgebung sowie das sogenannte Totstellen (thanatosis). Die gleichnamige Werkgruppe beschäftigt sich mit diesem Wechselspiel aus Maskerade und Verhüllung.